Tagebuch der Erstellung von „Holiday On Mars“


Für alle, die es genauer wissen wollen: Hannes hat über nahezu jede Aufnahmesession zu Holiday On Mars ein Tagebuch geführt - ohne dass wir es wußten! Hier ist das Dokument jetzt in ungekürzter Fassung, damit jeder, der es will, sehen kann, wie schwierig die Erstellung dieses Albums gelaufen ist.

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Vorspiel

Am 15.10.2003 beginnen die Arbeiten am neuen Album. Es ist ein wunderschöner, wolkenloser Tag, aber bitter kalt. Die Temperaturen erreichen maximal 12, 13 Grad und nachts haben wir um die 0 Grad.
Wie üblich treffen wir uns zwischen halb sieben und sieben, selbst Heindling kommt heute recht früh für seine Verhältnisse. Umzug ist angesagt, aus dem kalten Keller hinauf unters Dach, in mein altes „Wohnzimmer“. Wir holen nur das herauf, was wir brauchen, der Rest bleibt im Keller. Es sieht jedenfalls sehr gemütlich aus. WH bedauert natürlich, dass kein Tasteninstrument den Weg unters Dach findet. Wir trinken einen Primitivo aus der Norma, mit 1.99 billig, aber gut. WM hat die Aktiv-Lautsprecher mitgebracht. Musik machen wir keine, nur kurz überlegen wir, welche Songs für das neue Album in Frage kommen. Gegen 22:30 ist Schluss.

Dienstag, 21.10.2003
Gegen 18:30 ruft WM an, er sei noch dienstlich in Fürth, es wird später. WH kommt bereits kurz nach 19:00 Uhr und bringt doch tatsächlich einen Bohrer mit. Damit können wir das Wandregal noch mit zwei zusätzlichen Schrauben sichern. Aus dem letzten Winnetoufilm bringt er den Spruch des Tages mit: es gehört auch Mut dazu, ein Lied zu hören (oder so ähnlich). Die gemütlich Stimmung unter dem Dach und die Wärme verleiten einen dazu, im Sessel zu versinken und sich dem Faulenzen hinzugeben. Entsprechend gering ist die heutige Aktivität. WM hat einiges auf CD mitgebracht, was er schon zuhause gemacht hat. Wir hören da mal rein – natürlich mit den üblichen Schwierigkeiten, was das Vorhandensein aller notwendigen Dateien angeht. Bei Amy from Digby spricht WH von einer Sozialromanze. Sehr despektierlich! Bei einigen Liedern ist doch schon einiges vorhanden. Der erste Eindruck lautet: Das wird ein echter Rocker! Viel härter als bisher, wenig sanftes Material. Na mal sehen. WM bekommt als Hausaufgabe, Tuesdays endlich fertig zu mischen.
Mittlerweile ist es März 2004 geworden, und eigentlich sind wir noch nicht viel weiter gekommen. Tuesdays ist immer noch nicht fertig, wir warten noch auf das letzte Mastern mit Thomas Freckmann, aber es wird ewig nicht. Man verliert langsam die Geduld. Die neue Scheibe – sie trägt den Arbeitstitel‚ Holiday on Mars, kommt auch nur mühsam in die Gänge. Als wir loslegen wollten, hatten wir ein Problem mit dem Metronom-Klick, der immer auf  der Aufnahme zu hören war. Das hat uns 2 Wochen gekostet, bis wir wussten, woran es lag.
Jetzt sind wir mitten in „The Room“, dem ersten Song.

4. Mai 2004
Tuesdays ist mittlerweile schon einige Zeit fertig, die Verkäufe gehen nur schleppend voran. Vielleicht 30 Stück haben wir erst verkauft, noch mal so viele müssen es sein, um die Unkosten zu decken. "The Room" haben wir auch schon abgeschlossen, jetzt arbeiten wir am nächsten Stück, Holiday on Mars, dem Titellied der neuen CD. Ich habe heute den ersten Textentwurf mitgebracht, und der passt gut und braucht nur noch kleine Überarbeitungen. Heindling ist heute nicht da, er hatte sich den Magen-Darm-Virus aufgeschnappt, der zur Zeit rumgeht. Ich war auch letzte Woche außer Gefecht. Mami hat ihren Garten neu anlegen lassen, der letzte, heiße Sommer und der Borkenkäfer hatten ihn total ruiniert.

10. Mai 2004
Wir werden immer härter, sagt Wolfgang. Bei Holiday on Mars geht es auch vocalmäßig ganz schön zur Sache. Muss aber auch, sonst wirkt das Ganze nicht. Wolfgang hat einen
Funkkopfhörer gekauft, für 24 Euro. Zwar nett, aber das Ding rauscht gewaltig.

Nachspiel

03.12.2004
Viel ist im letzten halben Jahr passiert, aber alles nichts Schönes. Am 25.Mai 2004 hatte ich eine Art Hörsturz, lautes Rauschen im linken Ohr, Schwindel, Übelkeit. Und vor allem eine akute Ertaubung des linken Ohres. Dann 10 Tage Klinik, dann lange krank. Bis heute sind erst ca. 10% des Hörvermögens zurückgekommen, es kann noch besser werden, aber es wird wohl dauern. Ich darf mich auch immer noch nicht zu sehr anstrengen – deshalb sind die Arbeiten zur Zeit noch unterbrochen. Wenn alles gut geht, können wir im nächsten Jahr wieder weiter machen.
Der noch viel größere Mist passiert mit Frecki, Thomas Freckmann. Urplötzlich, von heute auf morgen. Er ist an Krebs erkrankt, nach allem, was Wolfgang erzählt hat, unheilbar und wohl bereits im Endstadium. Wolfgang ist völlig fertig. Am 10.Dezember soll eine Art Benefizkonzert stattfinden, der Erlös soll seiner Familie zukommen. Schwacher Trost. Die einzige Hoffnung bleibt, dass das Jahr 2005 besser wird und wir wieder die Kurve kriegen.


Erster Akt.

Betreff: Urlaubsreise

auf den Mars. Wer mitfahren will, finde sich nächsten Dienstag (18.01.05)
ab 18:00 Uhr (ACHTUNG: geänderte ABREISEZEIT!!!)
im B3 Space Ship, upper level, ein. Geplante Landung bereits gegen 21:00
Uhr.

gez. Capt'n Crush and the beauty queen from Mars.

Mit dieser Mail geht Anfang 2005 ein neuer Abschnitt los. Ich will es versuchen, sehen, ob es wieder geht oder nicht, und wie es überhaupt geht. Also, die Einladung ist verschickt, beide Wolfgangs haben ihr Kommen zugesagt, ich bin gespannt!

Dienstag: 18:01.2005
Ja, Scheiße wars. Ich habe nämlich den Dongle vergessen! Und jetzt mach mal Musik, wenn das Programm nicht startet. Das war schon tragisch. Besonders das vor Vorfreude strahlende Gesicht von WM wurde auf einmal doch recht lang. War der enttäuscht. Na ja, nicht zu helfen. Wir haben uns eingerichtet, die Salzstangen schmeckten alt, die Schokosachen waren kaum noch genießbar – alles lag seit letztem Mai rum. WM hat mal die Lieder angeklampft, die er aufnehmen will – alles akustische Titel, die auf die nächste CD kommen sollen, die fetzigen Lieder von Holiday kommen dann erst auf die vierte CD. Mal sehen, wie das wird.
WM hat einen Rock'n'Roll Titel im Repertoire, zu dem er sich, wie er sagt, einen fränkischen (!) Text vorstellen kann. Ich kann's nicht glauben zuerst, aber gleich am nächsten Morgen, als ich zuhause auf die Lieferung einiger Regale von Lundia warte, fällt mir doch glatt der Text ein und innerhalb kürzester Zeit steht dat Ding. Wahnsinn!

26.01.2005
Nach hektischer Plektrumsuche geht es tatsächlich los. Wir hören mal an, wie der Stand bei "The Room" und "Holiday on Mars" ist. Wir tüfteln dann ziemlich lange an dem Solo für Holiday rum. Es ist die Idee von WH, eher einen langsamen Teil zu nehmen. Das Endergebnis passt ganz gut, aber mit dem Aufnehmen sind wir noch nicht fertig, da müssen wir beim nächsten Mal – was erst Ende Februar sein wird – noch ran. Aber immerhin. Gegen 21:00 Uhr ist Schluß und WM nimmt das Keyboard mit nach Hause. Seine Tochter Annika könnte eventuell die Keyboardparts übernehmen, oder auch Gesangsteile? Mal sehen, was daraus wird.

22.02.2005
Nur so nebenbei, es ist wieder saukalt draußen, nachts fallen die Temperaturen unter -10°C.
Die Welt versinkt in Schnee, ich kam nur im Stop and Go nach Erlangen, direkt von zu Hause, weil ich wegen einer Erkältung krankgeschrieben war. Trotz des Wetters, alle, alle sind da. Wolfgang hat Annika mitgebracht und WH hat dadurch heute viel zu filmen. Wer filmt nicht gern ein hübsches Mädchen.
Wir arbeiten an HoM. Annika macht ihre Sache super und mit Leichtigkeit. Sie übernimmt den Part bei der Bridge – hier passt ihre Stimme wunderbar rein, das klingt wirklich toll. Irgendwann, irgendwie – wahrscheinlich waren es meine Wurstfinger – ereilt uns das Schicksal: Auf einmal passen die Spuren nicht mehr zusammen, klingen versetzt, alles durcheinander. Nach viel Frust und erfolglosem Verschieben der Spuren endlich die Lösung: die Geschwindigkeit war verstellt. Dies wieder korrigiert, und schon passt es. Hat aber viel Zeit gekostet.
Nachdem WM seiner Tochter erklärte, dass das ganze Lied sehr ironisch gemeint sein, eine Verarschung der Amis, kamen wir auf eine nette Bilderidee für Cover oder Inlet-Blatt: George W. in einem Segelflugzeug auf dem Weg zum Mars. Ja, das passt gut zum Thema.
Ach ja, der Funkkopfhörer: der steht in der Ecke und wird fleißig geladen. Er wartet auf seinen nächsten Einsatz. Derweil hat WM für heute einen Kopfhörer seiner Frau mitgebracht. Schade um Funkie! Seine Zeit wird kommen.

Mittwoch, 02.03.2005
Völlig unbeachtet blieb Funkie in seiner Ecke und verfolgte stumm und traurig, wie WM sich an der Gitarre versuchte. Wir schließen HoM mehr oder weniger ab mit noch einigen Fills und einem Gitarren-Outro. Was jetzt noch fehlt sind textliche Einblendungen a la "Houston, we got a problem" oder "Failure is not an Option" und das eigentliche Ausblenden. Aber das hat ja noch Zeit. WH war heute nicht dabei, die Nase lief zu arg.

Dienstag, 08.03.2005
Mal wieder Dienstag. Der Winter hält uns immer noch fest im Griff, die Temperaturen liegen tags nur wenig über 0°C, und in der Nacht ist immer noch Frost bis -5°C. Grau in Grau präsentiert sich der Himmel. Es wird Zeit für etwas Wärme und Sonnenschein.
WM hat zu Hause HoM gemixt. Es ist wirklich schon ganz gut geworden. Da fehlt nicht mehr viel.

Mittwoch, 27.04.2005
Wie die Zeit vergeht. 6Wochen später erst das nächste Treffen. WM düst ständig in der Weltgeschichte umher und wir finden einfach keine Zeit zu einem Treffen. Es ist aber auch einiges passiert. Nicht nur der Papst ist gestorben, auch unser Thomas Freckmann. Wir sind traurig und betroffen, aber es war abzusehen und letztlich ist es gut, dass es vorbei ist. Tragisch halt für WM, er verliert nicht nur einen Freund, sondern auch seinen Haus- und Hoflieferanten an Software und anderen musikalischen Dingen und überhaupt seinen musikalischen Mentor. Vielleicht eine kleine Kompensation, aber WM hat sich eine neue Ibanez, 6-saitig, gekauft, die er uns heute präsentiert. Sie hat noch keinen Namen, aber sie erfährt mehr Aufmerksamkeit als Funkie, der weiter unbeachtet in der Ecke steht. Wir machen uns an North to Alaska, es ist heute mehr ein Ausprobieren denn ein Aufnehmen, und um 21:00 Uhr ist auch schon Schluß, da WM morgen um 05:11 mit dem Zug nach München fahren muß.

Dienstag, 10.05.2005
Ich komme heute etwas später, da ich einen Besprechungstermin beim Kieferchirurgen hatte, bei dem ich nächste Woche mir einen Zahn ziehen lassen muß. WM wartet schon sehnsüchtig, auch Funkie schaut mich mindestens ebenso sehnsüchtig an. Wir arbeiten heute an den vocal parts von North to Alaska und kommen ganz gut voran. WM findet es immer wieder erstaunlich, wie sehr sich ein Lied im Studio noch verändert, wie es wächst und Form bekommt. Es kommen halt doch noch eine Reihe von Ideen hinzu, man kann einiges ausprobieren und auch wieder verwerfen. Am Schluß hören wir noch in Come what May hinein, ein ganz neues Lied, das WM aber auch schon fertig gemacht hat. Vielleicht beim nächsten Mal? Was macht Funkie?

Dienstag, 07.06.2005
Wenn wir gut sind, schaffen wir heute den kompletten Song – und was für ein Frust am Ende! Come What May steht auf dem Programm, und es ist von Anfang an mühsam. WM verspielt sich recht oft und ich habe selten in einem Lied so viel geschnitten und geklebt wie hier. Langsam wächst der Song. Dann stellen wir fest, dass der Click auf den Spuren zu hören ist, er war so laut, dass das sensible Mikrophon in über den Kopfhörer aufgenommen hat. Also alle Audiospuren noch einmal von vorn. Es geht voran, es ist schon spät und irgendwann stelle ich fest, dass ich nur noch eine Rhythmusspur habe. Wo ist die andere? Wohl aus Versehen gelöscht – im Audiopool liegen noch einige Dateien rum, welche ist die richtige? Es waren ja auch immer nur Teile, eben zusammengeschnitten, wo gehört welcher Teil hin? Ich weiß es nicht, und WM ist einfach nur frustriert. So geht dieser Abend mit einer etwas unglücklichen Note zu Ende.

Dienstag, 14.06.2005
Schneiden, schneiden, schneiden. Was habe ich den ganzen Abend über getan? Parts zurecht geschnitten, kopiert und verschoben. Ich muß ja auch was zu tun haben. Aber im Ernst: Wir haben die meiste zeit an den Gesangsteilen von CWM gearbeitet. Wolfgang hat sich mit den Zweit- und Drittstimmen teilweise etwas schwer getan, sie teilweise auch unterschiedlich gesungen, so dass es letztlich leichter war, mit Kopien der Parts zu arbeiten. So hat jetzt der Refrain 3a die Zweit- und Drittstimme von Refrain 1, der Refrain 3b hat das gleiche von Refrain 2. Bis zu fünf Stimmen haben wir über die letzten beiden Refrain gelegt, das Ergebnis kann sich hören lassen. Und wir sind immer noch nicht fertig mit dem Lied. Gerade gesanglich kann man hier noch einiges probieren. Und leichte technische Probleme hatten wir auch wieder: ein ständiges Rauschen auf den Kopfhörern. Was habe ich an den Steckern am PC gerüttelt, rausgezogen, gedreht, wieder reingesteckt. Alles half nichts. War auch kein Wunder. Letztlich steckte der Stecker an diesem Microkasten oder wie immer dieses Ding heißt, nicht richtig. Aber draufkommen musste erstmal.

Donnerstag, 23.06.2005
Ein Treffen an einem ungewöhnlichen Tag und auch erst zu später Stunde, nach 19:30 Uhr. Es ist sehr heiß, die Temperaturen sind immer noch jenseits der 30 Grad. Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, vergieße ich Rotwein auf meine Hose, vorne, hinten, überall. Es ist meine beste Hose, von Otto Kern. Super. Ich bin entsprechend gut gelaunt. Mir fällt es auch sehr schwer, bei WH sarkastischen Ratschlägen ruhig zu bleiben, statt ihm kurzfristig einfach eine zu knallen. Der andere Wolfgang lacht auch nur dreckig, dem knallen wir auch gleich eine. Musik wurde auch  gemacht. Wir stehen erstmal wieder vor einem Rätsel: bei CWM fehlen einfach einige Gesangspart, die sind einfach weg. WM ist sich sicher, dass wir diese beim letzten Mal aufgenommen hatten. Kein großes Problem, really, wir nehmen sie schnell wieder auf und setzen am Schluß noch die akustische Gitarre ein für ein paar Soli. Das hat auf dem Lied wirklich noch gefehlt. Damit ist Come What May fertig. Auf dem Heimweg sagt WM, wir könnten mal eines von meinen Liedern aufnehmen, der Refrain von Hunting Season habe ihm gut gefallen. Das glaube ich erst, wenn es soweit ist, keine Minute früher. Aber ich halte das hier mal fest für die Ewigkeit.

Mittwoch, 06.07. 2005
Dieser Termin kam recht kurzfristig zustande. Wir machen Feinarbeit, vor allem noch mal bei North to Alaska. Es sind keine großen Geschichten, aber die Lieder gewinnen dadurch.
Einige Tage später herrscht große Aufregung: WMs Apple ist kaputt und ich habe vermutlich den Dongle verloren. Wie soll es nun weitergehen? Ich hatte meinen Rucksack auf den Rücken geschnallt und bin gerannt, um einem Gewitter zu entgehen. Dabei ging der Rucksack auf und einige Teile flogen heraus, wohl auch der Dongle. Alles habe ich wiedergefunden, bloß an den blöden Dongle habe ich nicht gedacht. Vielleicht war er auch gar nicht in der Tasche? Habe bei Mami angerufen und sie ins "Studio" geschickt. Sie hat weit und breit keinen Dongle gesehen. Meine einzige Hoffnung ist, dass er doch da ist, weil Mami überhaupt nicht weiß, wie so ein Ding aussieht. Habe aber gleich eine Mail an Steinberg geschrieben und um Ersatz gebeten, mal sehen, was dabei rauskommt. Und Wolfgangs PC? Der fährt nicht mehr hoch, nachdem Wolfgang das Laufwerk optimiert hatte. So ein Mist. Mal sehen, was daraus wird?

Dienstag, 12.07.2005
Die Katastrophe ist groß, die Stimmung recht geknickt. Wolfgangs Mac ist völlig kaputt, die Daten für immer verloren. Er hat mit Norton an seinem Rechner gearbeitet, auf Reparieren gedrückt und das wars. Totalreparatur. Da lässt sich auch nach Auskunft der Hotline nicht machen, zumindest nicht mit einem vertretbaren finanziellen Aufwand.
Eine Unmenge an Software, die Wolfgang immer mal wieder von unserem verstorbenen Thomas quasi inter der Hand bekommen hat, ist für immer verloren. Wie groß der Schaden genau ist, lässt sich noch nicht absehen. Andererseits nimmt Wolfgang das ganze Übel auch mit einiger Gelassenheit hin. Es sei auch eine Chance für einen neuen Anfang. Dann behauptet er, ihm reiche es völlig, was wir mit unseren Bordmittel machen können, mehr wolle er gar nicht, nur um einen Satz später zu erklären, was man alles für tolle Sachen mit der aktuellen Cubase SX oder wie auch immer Version machen können, oder welche tollen Möglichkeiten man mit Logic habe. Zwei Seelen wohnen ach in seiner Brust! Ach ja, Musik haben wir auch gemacht, heute ganz ohne WH. Wir haben die Gitarrenparts zu "Where do you go" aufgenommen. Und Funkie? Ihm ging es heute an den Kragen. WM hat ihn wieder mit nach Hause genommen – den brauchen wir ja doch nicht. Exit. Ende. Schluss. Schade.

Mittwoch, 21.07.2005
Wir kommen alle etwas später, aber die Stimmung hat sich wieder gebessert. Wolfgangs PC läuft wieder, der Schaden ist wohl doch nicht so groß, aber entgegen aller seiner Beteuerungen ist er jetzt doch wieder auf dem Logic Trip – hin und her gerissen zwischen den Möglichkeiten, immer nicht zufrieden, mit dem, was man hat. Wenn man bedenkt, dass wir wohl nicht mal 30% der Möglichkeiten von Cubase nutzen, dann ist das schon Irrsinn. Aber klar, auch, Wolfgang sieht das natürlich wesentlich ernster als ich, für ihn ist das fast schon ernst, fast schon profimäßig, für mich eine netter Zeitvertreib, der nicht viel kosten soll. Das sind Ansätze, wie sie gegensätzlicher nicht sein können. WH ist da außen vor, sein Thema ist es, Filmaufnahmen zu machen und dann Schluß. Where do you go stand heute auf dem Programm, Gesangspart und etwas geflanschte Gitarre. Insgesamt recht sparsam arrangiert, nur wenige Gesangsparts, wenig Gitarre. Aber insgesamt passt das gut zusammen.
Nächste Woche wird unser Treffen entfallen, da hat Mami das Haus voll mit Gästen aus der Hauptstadt, das muß ich mir nun wirklich nicht antun. WH bricht anschließend dann schon in den Sommerurlaub nach Indonesien auf, ich werde ab 10. August Hurrikanfeldstudien vor Ort in Florida machen. Die Sommerpause winkt.
Und sie kommt eher als gedacht. Tatsächlich war das unsere letzte Sitzung vor der Sommerpause. WM war mal wieder etwas kränklich, darum musste die Session in der ersten Augustwoche entfallen. Immerhin, ich habe den Termin genutzt und bin mal mit dem Staublappen und dem Staubsauger durch das Zimmer gegangen. Unnötig war das nicht. Überall lag das Gerümpel verteilt, ein Wunder, dass wir noch einen Platz zum Sitzen fanden. Ich habe auch mal etwas aufgeräumt, damit wieder Platz wird. Erfahrungsgemäß füllt sich der Platz wieder schnell. Im Übrigen ist mir aufgefallen, dass fast alle neuen Lieder bisher etwas mit Reisen zu tun haben – The Room, Alaska, Where do you go, Holiday on Mars. Und einige Reiselieder stehen ja auch noch in der Pipeline. Vielleicht sollte man für das Album einen Untertitel wählen – Holiday on Mars. The Travel Album.
Pause.


Zweiter Akt.

Montag, 19.09.2005
Der Sommer ist vorbei. Wir waren in den USA und haben Katrina überstanden. Das mit den Feldstudien ist nur zu wahr geworden und wir hatten viel Glück, nicht mitten hinein zu kommen. Jetzt ist die Luft schon recht herbstlich, und abends wird es schon sehr kalt. Mami hat sich gestern das Becken gebrochen, aber ansonsten ist alles wohlauf. Es kann weitergehen. Haindling ist heute nicht anwesend, er erntet kräftig Wein in Südtirol. Zeit für einige Experimente bei Where do you go. Der Gesang wird ausgebaut und am Ende noch etwas Gitarre hinzugefügt. Da wir beide – ich vor allem – recht müde sind, wird es ein kürzerer Abend.

Dienstag, 27.09.2005
Heute ist das Problem, dass das Lied nur mittig erscheint, der Stereoeffekt ist nicht wahrnehmbar. Alle Versuche, dies zu korrigieren, scheitern kläglich. Schließlich müssen wir resignieren und uns damit zufrieden geben. Wir nehmen zuerst die Gitarre am Schluß von WDYG auf, entscheiden aber später, sie ganz wegzulassen (WM: das gefällt mir nicht mehr). Ansonsten noch ein paar Vocal parts  gegen Ende hin und das wars. Mein Wunsch, den Anfang des Liedes gesanglich noch zu modifizieren – es klingt für mich stark nach Sprechgesang – scheitert daran, dass Wolfgang immer in die gleiche Melodie zurückfällt. Also lassen wir es schließlich sein. Wolfgang ist etwas frustriert, denn auf der Heimfahrt klagt er darüber, wie zäh wir vorankommen. Glücklicher Weise gibt es keine Fans, die uns unter Druck setzen und sehnlichst die Veröffentlichung des Produktes fordern.

Mittwoch, 5. Oktober 2005
Kein guter Tag. WM hat Stress im Büro und kommt erst gegen 20:00 Uhr, ziemlich ermattet. Wir überlegen dann erstmal, was wir in den nächsten Wochen machen können, zur praktischen Arbeit hat keiner so recht Lust. Wir machen uns dann aber doch noch an die Arbeit. Ich möchte gerne noch einige Modifikationen an WDYG vornehmen, vor allem während des Intros. Aber bei dieser Aufnahme ist der Wurm drin. Diesmal wird die Gitarre einfach nicht aufgenommen, es ertönt nur ein Rauschen. Wenn ich einen neuen Song aufmache, funktioniert die Aufnahme einwandfrei. Was ist nun wieder los? Vor allem: wie können wir das lösen? Denn mittig klingt das Ding ja nach wie vor. Kein guter Tag.

Dienstag, 11. Oktober 2005
Das Problem mit der Mittigkeit existiert nach wie vor und ich weiß nicht, woran das liegt. Ich schmeiße mal alle Spuren, die nicht benötigt werden, raus, aber das hilft nichts. Immerhin, die Aufnahme der Gitarre funktioniert, nämlich dann, wenn die Spur auf einem Monokanal liegt, also auf den ungraden Zahlen. Alles irgendwie merkwürdig. Der Charakter von WDYG ändert sich extrem durch den Gitarrenanfang und durch die untergelegten Rockakkorde. Letztendlich eine Frage der Mischung, in wie weit das betont wird oder nicht.

Dienstag, 22. November 2005
Die Tage des Studios B3 Upper Level neigen sich dem Ende entgegen. Ab Anfang des nächsten Jahres hat sich WM eine neue Wohnung im gleichen Haus hinzugemietet, er hat dann sein eigenes Musikzimmer, und wir werden wohl dorthin umziehen. Es ist halt doch so, dass er lieber mit Logic als mit Cubase arbeiten möchte, und dann der Mac anstelle des PCs. Natürlich hat das auch den Vorteil, dass WM dann jederzeit an den Stücken arbeiten könnte. Na ja, wir werden mal sehen. Bis es soweit ist, machen wir hier weiter. Heute machen wir Zimbabwe fertig, ein in doppelter Hinsicht bemerkenswerter Titel. Zum einen kommt er hanz ohne Schlagzeug aus, zum anderen kommt der Titel des Liedes im Text überhaupt nicht vor – WM hat schlicht vergessen, den Refrain zu vertonen. Also ein Lied ohne Refrain. Sparsame Gitarre, sparsamer Gesang, wesentlich weniger aufwendig als die vorhergehenden Lieder. Damit haben wir bereits 6 neue Lieder im Kasten, 10 dürften für eine neue CD reichen. WM hat heute auch erstmals den Titel "Holiday on Mars" in Frage gestellt, vielleicht also wird das Ding schlussendlich ganz anders heißen. Mal sehen.

Mittwoch, 07. Dezember 2005
Es liegen schon immer ganz schöne Intervalle zwischen den einzelnen Sitzungen. Diesmal war es WMs Erkältung, die für die Unterbrechung verantwortlich war. Heute steht "Africa in my Heart" auf dem Programm. WM hat zuhause bereits die Basistracks aufgenommen, Klavier und Bass vor allem, dazu noch Flächensounds. Er hat jede Spur einzeln als Audiodatei gebounced (schönes Wort, oder?), bei Einspielen haben wir zunächst einige Schwierigkeiten, die wir aber in den Griff kriegen durch Vergrößerung der Blocksize in den Audioeinstellungen. Der Sound ist bereits so satt, dass wir gemeinsam zu der Überzeugung kommen, wir brauchen hier keine Rhythmusgitarre, sondern es reichen hier Fills, zu denen wir heute aber nicht kommen.
Wir nehmen heute nur die Gesangsparts auf – eventuell soll sogar seine Tochter Annika den Gesang übernehmen, aber wie ich Wolfgang kenne, wird es hier bei der Idee bleiben, denn der eigene Gesang wird ihm gut gefallen. Immerhin erfährt das Lied während der Aufnahmen einen ziemlichen Wechsel: Wir nehmen – wie es ursprünglich auch gedacht war – den "and as the sun goes down"-Teil als Bridge auf, finden dann aber, das passt nicht so richtig. Besser wäre es, hier einfach eine Gitarrenmelodie einzufügen, und diesen Teil quasi als zusätzliche Strophe zu singen. Das funktioniert auch prima und kommt gut. Das war es dann auch für heute, zu mehr kommen wir nicht.

Dienstag, 13.12.2005
Das Jahr nähert sich dem Ende und damit auch die Zeit in den B3 Studios. Mal sehen, wann es wirklich soweit ist. Bis dahin machen wir unverdrossen weiter. WM hat heute erzählt, dass in seinem Haus ein Schlagzeuger wohnt, mit dem er zusammen in einer Kirchenband spielt, die jetzt um Weihnachten herum die Gottesdienste verschönert. Und dass es ihn reizen würde, mit ihm zusammen so richtig los zu rocken, ausserdem kennt der wieder einen Bassisten und dann wäre man ja schon zu dritt. Ich sage ja, eine getriebene Seele, nicht zufrieden mit dem, was man hat, immer auf der Suche nach neuen Wegen, aber irgendwie kann ich keine klare Linie dabei erkennen. Musik haben wir auch gemacht. Zu AimH haben wir die Backing Vocals aufgenommen, wobei wir aufgrund der Größe der einzelnen Audiospuren immer wieder Probleme mit dem PC bekommen. Mit MAC wird alles anders. Ich sehe das höhnische Grinsen in Wolfgangs Gesicht. Wir bekommen das dennoch hin, aber es fehlen immer noch ein paar Kleinigkeiten. Nächste Woche kriegen wir das bestimmt noch hin. Außerdem war heute Fototag. WH und ich hatten unsere Kameras dabei, und es wurde heftig fotographiert.

Dienstag, 20.12.2005
Letzte Session des Jahres. Der letzte Feinschliff für AimH. Was wir beim letzten Mal nicht geschafft haben, klappt heute auf Anhieb: ein Outro zu finden für den Song. And the fire keeps on burning. Es ist fast wie im Rausch, fast hypnotisch, auf jeden Fall stimmungsvoll, dieser "Abgesang". Wir finden das so toll, dass wir gleich fünf gleiche Spuren davon aufnehmen, um Volumen zu bekommen. WH meint, das wäre ein schönes Ende für das Album, und wir finden alle, dass das Outro eigentlich viel zu kurz ist, na ja, zweieinhalb Minuten, aber was ist das schon. Aber 10 Minuten sind ja schon für das Orgelsolo gebucht, also muß das so reichen. Interessanterweise hat sich heute WH nach dem Verbleib von Funkie erkundigt, er wollte ihn für die Videoaufnahmen verwenden, blickte auch suchend in die Ecke, wo Funkie sonst immer stand und war sichtlich verwundert, ihn dort nicht zu sehen. So wenig wird man beachtet, wenn man zum Inventar gehört. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Donnerstag, 19.01.2006
Auf geht's mit neuem Elan. WH ist gleich krank. WM hat die Audiofiles zu "Don't leave Home Tonight" mitgebracht, eine Riesenmenge an Daten, das Kopieren dauert über eine halbe Stunde. Wir probieren etwas an der Gitarrenbegleitung rum und überlegen, mit welcher Gitarre gespielt wird. Sogar meine alte Höfer Akustikgitarre von 1971 wird einer Prüfung unterzogen. Aufgenommen wird letztlich nichts, Wolfgangs Fingernägel sind zu lang, so dass er die Griffe nicht sauber greifen kann. Außerdem sind wir beide einträchtig etwas müde, so dass es ein kurzer Abend wird. Der Umbau in seiner neuen Wohnung ist schon ganz gut vorangekommen, aber WM überlegt, ob wir nicht doch in den B3 Studios bleiben, weil der Raum doch recht klein ist, es gibt keine Sitzgelegenheiten, etc. Na ja, mal sehen, was daraus noch wird.
Aktuell ist auf seiner Homepage folgendes zu lesen:
A new album is coming out soon. I hope, the recordings will finish in May,
the album is scheduled August 2006. The working-title is "Holiday On Mars".

Einen ersten Entwurf zum Albumcover gibt es auch schon.

Dienstag, 31.01.2006
Kaum zu glauben, aber heute ist der erste Termin im neuen Jahr, bei dem alle drei anwesend sind. Wir machen weiter mit Don't leave Home tonight. Zuerst wird die Gitarrenbegleitung gezupft. Den Refrain wollen wir zunächst mit einer geschlagenen Gitarre unterlegen, aber die Spur setzt sich nicht ab, geht unter, also löschen wir das Ganze wieder und belassen es beim Gezupfe. Dann wird noch fleißig gesungen, erste und zweite Stimme. Meist klappt es gleich auf den ersten Take, und wir sind mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Kurz vor 22:00 Uhr brechen wir auf in die kalte Nacht. Schon seit zwei Wochen liegen die Nachttemperaturen bei um die -10°C; dafür scheint tagsüber meist die Sonne. WM nimmt die beiden Lautsprecher zum Mischen mit nach Hause. Erste Vorboten des anstehenden Umzugs, aber das wird sicher noch eine ganze Weile dauern

Donnerstag, 17.02. 2006
Wir haben uns auch am 09.02.06 getroffen, aber das habe ich glatt vergessen zu notieren. Jedenfalls haben wir damals DLHT fertig gemacht, einige Gitarrenparts für den Schluß aufgenommen, und Wolfgang versucht jetzt, die besten Teile daraus herauszuschneiden und zusammenzumischen. Alles Lug und Trug, aber Hauptsache, es klingt gut.
Heute haben wir mit "That was the year that was" angefangen, eine Nummer, deren Titel von Tom Leher inspiriert wurde. Am Anfang stand erstmal wieder Frust, denn die von WM mitgebrachten Files lassen sich nicht kopieren. Das sind gut und gerne 10 Dateien, jeweils so um die 50MB groß. Aber irgendwie lag es wohl nur daran, dass sich Onkel Computer mal wieder verhakt hatte, jedenfalls irgendwann klappt es dann doch (nachdem ich mir einiges zu Windoofs und viel lobenden Quatsch zu Macs habe anhören müssen) und wir können, obwohl schon spät, doch noch loslegen. Wir nehmen die Gitarrenspur auf und kommen gut voran, weil es meistens schon aufs erste oder zweite Mal klappt. Das Interessant dabei ist, dass wir drei verschiedene Gitarren einsetzen, erst die 6-saitige, ab dem Refrain dann die 12-saitige, später noch mit der E-Gitarre unterlegt.

Dienstag, 21.02.2006
So, heute bereits das nächste Treffen, und es geht mit Gesang weiter.
Das ist alles recht unspektakulär, am spannendsten macht es mal wieder der Computer, der ein paar mal vermutet, die Festplatte könnte voll sein; was sie nicht ist, da sind noch über 15 Gig frei. Aber irgendwie stimmt etwas nicht, denn auch Cubase startet erst auf das zweite Mal, beim ersten Mal kommt die Meldung "Schwerer Ausnahmefehler". Vielleicht sollten wir mal wieder defragmentieren. – Aber das Ende vom Lied, das Ende vom Lied, die beiden Wolfgangs finden es toll, ich finde es grausam. WM spricht von indischen Klängen, das Lied endet mit einem Mantra, so wie bei den Beatles. Deshalb sei es so toll. Deshalb ist es so nervig, ist meine Meinung dazu. Aber wer bin schon ich?

Mittwoch, 08.03.2006
Heute nur in kleiner Runde, ohne WH, bei heftigstem Schneefall, der im Laufe des Abends in Regen übergeht. Schnee hatten wir in diesem Winter wirklich genug, erst am vergangenen Wochenende war Chaos in Südbayern. Sa muntern einen doch ein paar schöne Songs so richtig auf. TWTYTW haben wir heute praktisch fertig gemacht, also viel Gesang vor allem. Anfangs war es schwierig, eine gute Zweitstimme für den Refrain zu finden, aber ich denke wir haben das schließlich gut hingekriegt. In hinteren Teil gibt ein wildes Gitarrensolo, und wir haben etliche Versionen aufgenommen, aus denen WM sich dann zu Hause die optimalen Teile zusammenschneiden kann.

Donnerstag, 16.03.2006
Ein Arbeitskollege von mir hatte mal Kontakt zum Bayerischen Rundfunk oder irgend jemanden in dem Umfeld, und die waren auf der Suche nach einem Liedertext für einen künftigen Superhit. Also habe ich mich hingesetzt und "Hold Me" geschrieben. Der Text wurde natürlich nicht genommen – von dem Lied hat man auch nie was gehört – und so war er für uns frei. WM fand den Titel etwas blöde, es gibt schon so viele "Hold Me", so dass wir das Lied flugs in "All my Life (formerly known as Hold Me)" umgetauft haben – nicht dass es nicht All my Life auch schon gäbe. Ich denke, von allen Liedern, die wir bislang für Holiday on Mars aufgenommen haben, ist dies das für Wolfgang typischte Lied. Ein echter Wolfgang Mai! Wolfgang hatte wie immer die Basisspuren bereits mitgebracht, und eigentlich braucht dieses Lied nichts mehr anderes. Es klingt auch so schon satt und rund. Also nehmen wir vornehmlich Gesang auf, aber auch hier sehr sparsam, was die Zweitstimmen angeht. Ein bisschen Sweet-like, aber wirklich nur ein bisschen. Schließlich kommt zum Refrain doch noch etwas Gitarre dazu, elektrisch und gezupft – das passt denn doch ganz gut.

Mittwoch, 29. März 2006
Seit einigen wenigen Tagen haben wir den Winter wohl endgültig hinter uns gelassen. Die Temperaturen sind in den zweistelligen Bereich geklettert, es ist aber kein schönes Wetter sondern eher windig und es regnet immer wieder. Die natur ist auch noch weit zurück, immerhin blühen auf unserem Balkon jetzt die ersten paar Krokusse. Soweit der allgemeine Exkurs, damit zurück zur Musik.
Cubase treibt uns mal wieder zum Wahnsinn (aber natürlich sind wir selber Schuld!). Auf der gebrannten CD, die Wolfgang mit nach Hause nimmt, um die Spuren bei sich auf den Mac zu übertragen und dort zu mischen, fehlen immer wieder eine ganze Reihe von Tracks. Mühsam hat er sich die ganzen Namen der Tracks rausgeschrieben, und wir gehen erstmal auf Suche. Der Grund ist schnell klar: Cubase hat die Spuren irgendwo abgelegt, bloß nicht im Ordner für den Song. Also erstmal Dateien suchen, an den richtigen Ort verschieben und dann brennen. Jetzt sollte es klappen! Wolfgang hat auch die Audiodateien für Night meets Day, die wir beim letzten Mal nicht kopieren konnten, auf eine andere CD, nämlich eine nicht wieder beschreibbare CD, gebrannt, und damit funktioniert das Kopieren anstandslos! Es lag also einfach nur an der CD! Auch da muß man erstmal draufkommen.
So, ansonsten widmen wir uns October Gold. Wir experimentieren etwas herum und nehmen schließlich nur einige Gitarrenparts – Intro und Übergang zwischen den Strophen – auf. Nachdem Wolfgangs Elke krank mit Zahnproblemen zuhause ist, machen wir heute bald Schluß, Wolfgang wird zuhause gebraucht.

Mittwoch, 05. April 2006
Das Tagesthema heute: Mami hat eine neue Haustüre, und jeder muß das gute Stück bewundern. Trotzdem schaffen wir alle den Weg in die obere Etage!
WM bringt die Mixes der letzten Lieder mit – leider fehlen einige wichtige Spuren, so dass die Lieder doch etwas anders klingen, als wir sie aufgenommen hatten. Aber das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Nun denn, weiter geht es mit October Gold. Das Outro, das uns beim letzten Mal nicht gelingen wollte, kommt heute spontan als verzögerte Gitarre, ähnlich dem "So long…" von der letzten Scheibe. Ein bisschen sparsame Gitarrenbegleitung wird aufgenommen, ansonsten die Zweitstimmen gesungen. Wolfgang will sich noch überlegen, ob er eventuell doch noch einen passenden Baß für das Lied findet, ansonsten sind wir damit fertig.
Ostern steht vor der Türe, und am Samstag brechen Elke und ich zu unserer Taiwanreise auf. Dadurch bedingt kommt es nun zu einer kleinen Pause bis zum 02.05.06 als nächster geplanter Termin. Wolfgang will sich mit seinem Nachbarn, einem Schlagzeuger, treffen, und den mal ranlassen an Night meets Day. Mal sehen, ob und was dabei rauskommt.

Dienstag, 02. Mai 2006
Ein bisschen Wehmut haftet dm heutigen Treffen an, die Aufnahmen für das Album gehen so langsam dem Ende entgegen und dann werden wir wohl Richtung WM umziehen. Fly Away und Night Meets Day sind die beiden letzten Titel, die Wolfgang auf das Album packen will. Fly Away hat er zuhause schon fast fertig aufgenommen, es fehlt nur der Gesang, und den nehmen wir heute auf. Es ist ja nicht so wahnsinnig viel Text und es sind auch nicht allzu viele Gesangsparts, so dass wir relativ schnell damit fertig sind. Dann nehmen wir noch eine Orientierungsspur für Night meets Day auf, damit der bewusste Schlagzeuger – wie heißt er doch gleich wieder? – eine Vorstellung davon hat, wo er sich im Lied bewegt. Die Aufnahmen sollen in den nächsten Tagen sein. Außerdem hat WM die Idee. So 2 – 3 Lieder noch mal von seiner Tochter Annika singen zu lassen und die Lieder dann auf eine eigene "EP" zu packen, jedenfalls nicht auf seine, denn schließlich singt er dazu zu gerne. Eine weitere Idee ist, das Filmmaterial von WH zu sichten, noch ein paar "fiktive Interviews" mit WM und mir zu drehen und aus dem ganzen dann ein Making of… zu machen. Schau 'mer mal!

Donnerstag, 18. Mai 2006
So, heute mal wieder ein Treffen, diesmal bei WM in seiner neuen Wohnung, in dem ein Zimmer exklusiv für ihn als Musikzimmer eingerichtet ist. Er hat ja im Vorfeld schon immer etwas vorgebaut, es sei bei ihm nicht so richtig Platz, aber in den B3-Studios haben wir auch nicht mehr Platz. Es wird ein recht gemütlicher Abend. Wir schauen erstmal auf das Filmmaterial, das Wolfgang auf seinem Rechner hat. Es soll ja immer noch ein Film gedreht werden, the Making of …., man fragt sich bloß, the making of what? Tuesdays ist ja schon ewig vorbei, HoM ist auch schon fast fertig, also? Und über allem steht die "Drohung" von WH, er habe noch Stunden um Stunden weiteres Material. Da machen wir uns doch lieber Gedanken darüber, in welcher Reihenfolge die Lieder auf die CD sollen. Klar ist, das AimH den Schluß bildet, als Opener wählen wir WDYG aus. Die überwiegende Zahl der Lieder – immerhin 13 – ist eher ruhig, WM hat schon kräftig gemischt, so dass das meiste schon hörenswert klingt. Es wird Zeit, dass wir uns ernsthaft über das Cover Gedanken machen müssen.

Schlussakt
Mittwoch, 7. Juni 2006
Heute treffen wir uns also bei WH. Es ist drei Jahre her, seit wir hier das Cover für Tuesdays erstellt haben, nun also die Arbeiten am Cover für Holiday on Mars. Wir arbeiten mit Fotoshop, Wolfgang bedient virtuos das Programm. Ideen haben wir viele, die meisten davon würden bei Verwirklichung Unmengen an Geld kosten, daher ist es wohl besser, bei einer gedachten Auflagenstärke von 70 Exemplaren, kostengünstigere Lösungen anzustreben. Schon seit einiger Zeit hat sich herauskristallisiert, dass wir das Cover in schwarz-weiß machen. Nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns doch für ein einfacheres Design aus 8 Seiten, immer 2 Liedtexte auf einer Seite, und Deckblatt und Rückseite. Weiße Schrift auf schwarzem Grund. Schaut gut aus. WH hatte ja ursprünglich eine Faltidee entwickelt aus 5 Quadraten zu je 12x12 cm, aber wenn das drucktechnisch überhaupt möglich ist, dann jedenfalls nur zu einem horrenden Preis. Und Künstler, zumal brotlose, sind notorisch knapp bei Kasse. Wir sind jedenfalls heute schon recht weit gekommen mit dem Cover.

Montag, 12. Juni 2006
Ich treffe mich heute mit WM alleine bei ihm daheim. WH ist auf dem "Berg" und hilft bei der Beerdigung des Fasses. Wolfgang weiht mich ein bisschen ein in die Geheimnisse des Macs und seiner tollen Programme, wie z.B. Wave Burner zum Mastern der CD. Es ist eigentlich unglaublich, was man mit den Dingern alles anfangen kann, da fehlt es wirklich an nichts mehr. Man bräuchte nur jede Menge Zeit, um sich intensiv damit zu beschäftigen, damit man alle Feinheiten kennen lernt.
Na ja, back to business. Ich fand, dass bei Wolfgangs erstem Mix die Zweitstimmen teilweise etwas zu dominant waren, und wir probieren mal bei WDYG aus, diesen Mix zu verändern, indem wir die Stimmen deutlich zurücknehmen. Es ist schon ein mühsames Geschäft, Spur für Spur, immer wieder hören, korrigieren, hören, usw. Das Glockenspiel heben wir dafür etwas hervor, das Ergebnis kann sich sehen (besser: hören) lassen. Bei The Room fällt bei den Gesangsspuren auf, dass in den Singpausen leises Rauschen zu hören ist. Das beseitigen wir durch das explizite Einfügen von Stille. Auch sehr mühsam. Jede einzelne Passage anhören, markieren, Stille einfügen, wieder anhören. Stunden um Stunden kann man sich damit beschäftigen, das ist eine Mordsarbeit. Für NMD möchte Wolfgang, dass Benschi den Gitarrenpart übernimmt, das Solo zumindest, also wird ein Mix erstellt, den er Benschi zumailen will. Mal sehen, was dabei raus kommt. Wir waren beide heute schon recht müde, außerdem ist Fußballweltmeisterschaft, und das Rumfieseln ist auch sehr anstrengend, so dass wir schon gegen 21:30 Schluß machen.

Donnerstag, 29.06.2006
Die WM ist in vollem Gange, morgen trifft Deutschland im Viertelfinale auf Argentinien. Schau' mer ma!
Wir treffen uns heute schon und arbeiten am Cover. Natürlich ist uns wieder ein Faux pas unterlaufen: wir haben uns nicht aufgeschrieben, mit welchem Font wir die Texte gesetzt haben. Also erstmal mühsam suchen, bis wir fündig werden. Es war die Schriftart Modern, 7 Punkt, Schriftweite 0,3. Alles klar?
So, ansonsten kommen wir sehr gut voran. Das Booklet haben wir praktisch fertig. Wir sind alle sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es ist einfach, ohne Schnörksel, klar, kurz und knackig.
Es schaut, so finden wir zumindest, sehr professionell aus. Damit kann WM jetzt mal zu seiner Druckerei gehen und nachfragen, was der Druck kosten würde.


Schlussakkord

28.07.2006
Ich bin bei den letzten Treffen nicht dabei, und siehe da, schon läuft es wie geschmiert. Sollte mir das zu denken geben? Die beiden Wolfgangs treffen sich separat – und das bei brütender Hitze, denn seit Wochen liegen die Temperaturen um oder deutlich über 30 Grad – und bauen den Rest zusammen. WM sagte mir, er habe auch bereits das Heftchen zum Drucken gegeben. Den Gitarrenpart von Benschi hat er nun auch bekommen. Das letzte Lied, Night Meets Day, wird damit fertig.
Für mich geht nächste Woche der Sommerurlaub los, wenn ich nach vier Wochen dann zurückkomme, sollte alles fertig sein. Was dann noch fehlt, ist der Internetauftritt und eine schlüssige Marketingstrategie – aber das ist dann eine andere Geschichte.

Anfang September 2006
So, der Urlaub ist vorbei. Wolfgang hat inzwischen die Scheibe noch mal neu abgemischt, das Booklet ist gedruckt, die CD gepresst, die ersten Exemplare sind auch fertig bedruckt. Das war's dann wohl. Bleibt mir nur noch, viel Spaß beim Hören zu wünschen.